Online Dating

Online Dating- ist da was dran oder nur Geldabzockerei?

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Alle elf Minuten

Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship angeblich, verspricht die Werbung. Das hört sich vielversprechend an. Doch wie zufrieden sind die Deutschen mit den Partnerbörsen im Internet wirklich? Das Deutsche Institut für Service-Qualität hat die Erfahrungen von Nutzern ausgewertet, die bei mindestens einem Portal angemeldet sind oder es in den vergangenen zwölf Monaten waren.

Mehr als 1500 Bewertungen von fünf Partnervermittlungen und acht Singlebörsen gehen in die Analyse ein. Zu den Partnervermittlungen zählen die Angebote, die, mit Hilfe von Persönlichkeitstests und Algorithmen, Paare fürs Leben verkuppeln wollen. Singlebörsen sind normalerweise unverbindlicher und legen mehr Wert auf Eigeninitiative statt auf Matching-Systeme.

Wo läuft die Partnersuche am besten?

Abgefragt wurden wie viele Partnervorschläge die Portale angeboten und wie gut diese gepasst haben. Auch die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und Tipps zur Selbstdarstellung wurden berücksichtigt. Die besten Partnervermittlungen in diesem Punkt waren Parship und Elitepartner vor eDarling. Bei den Singlebörsen waren die Nutzer von Lovescout24 am zufriedensten mit der Partnersuche.

Wer hat die schönsten Mitglieder?

Die Partnersuche kann noch so gut technisch programmiert sein. Wenn die passenden Mitglieder nicht auf dem Portal angemeldet sind oder alles voller gefälschter Profile ist, ist das nur wenig hilfreich. Daher fragten die Tester noch einmal ausdrücklich nach der Seriosität, Attraktivität und Qualität der der Profile anderer Mitglieder. Bei den Partnervermittlungen ergab sich die gleiche Reihenfolge wie oben.

Eine reicht nicht

Der typische Partnerbörsen-Nutzer scheint sein Liebesglück nicht gerne mit nur einem Portal zu verknüpfen, sondern von Portal zu Portal zu hüpfen oder mehrgleisig zu fahren. Drei von vier Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten mit zwei oder mehr Portalen Erfahrungen gemacht. Nur elf Prozent der Partnervermittlungs-Kunden und vier Prozent der Singlebörsen-Nutzer sind seit mehr als einem Jahr auf derselben Plattform unterwegs.

Unzufrieden sind die Singles mit den Angeboten trotz der schwachen Treue aber nicht: Mehr als 80 Prozent der Befragten würden ihre Partnerbörse wieder wählen.

Das legt das Fazit nahe, dass viele Nutzer gerne die kostenlosen Abos mitnehmen, mit denen viele Portale locken, und danach wechseln. Denn Geld ausgeben wollen viele Partnersuchende für die Angebote nicht: Jeder fünfte Partnervermittlungsnutzer und jeder zweite Singlebörsennutzer nennt die „kostenlose Mitgliedschaft“ als Grund dafür, dass er sich für eine bestimmtes Portal entschieden hat.

Die Suche nach der großen Liebe online hat ihre eigenen Regeln. Es gibt hier Tipps, wie du den richtigen Partner in den Singlebörsen findest.

Immer mehr einsame Herzen halten nicht nur im Club oder beim Spaziergang Ausschau nach der Liebe

Partnersuche per Mausklick lautet die Devise – in Online-Partnervermittlungen und Singlebörsen. Dabei nur auf den Traumprinzen oder die Traumprinzessin zu warten, so funktioniert dies leider auch nicht. Auch im Internet heißt es, beim Knüpfen von Kontakten selbst aktiv zu werden.

Partnerbörsen im Internet sind am boomen.

Das belegt eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. Nicht weniger als neun Millionen Bundesbürger haben demnach einen festen Partner über das Internet kennengelernt. Wer als Topf nach einem Deckel sucht, der sollte sich zunächst überlegen, welche Art von Beziehung es denn sein soll, ehe er sich bei einer Seite anmeldet. Da gibt es zum einen Flirtportale wie iLove.de oder datingcafe.de. Und zum anderen gibt es Partnervermittlungen wie eDarling.de, ElitePartner.de und parship.de.

„Wer einen Flirt sucht, ist in Datingportalen oder Flirtbörsen gut aufgehoben. Bei Online-Partnervermittlungen geht es dagegen eher um feste Partnerschaften, erläutert Lisa Fischbach, Singlecoach bei ElitePartner.de. Flirtportale sind von der Aktivität der Mitglieder abhängig, bei Vermittlungen bekommt man Partnervorschläge, nachdem man ein Persönlichkeitsprofil ausgefüllt hat.

Es existieren aber auch Mischformen: neu.de, lovescout24.de und be2.de sind drei davon. Hier gibt es Partnervorschläge vom Betreiber, und zusätzlich dazu können die Nutzer auch selbst in der Datenbank suchen.

Profil und Angaben

Wer sich für eines der Vermittlungsportale entschieden hat, wird nicht drum herumkommen, möglichst detailliert einen Fragebogen auszufüllen. Auf dieser Grundlage kommt dann ein Persönlichkeitsprofil zustande. „Wir stellen unseren Nutzern 200 Fragen“, erklärt David Khalil von eDarling.de. „Wer die Profile nach Mindeststandard ausfüllt, der fällt nicht besonders auf. Um Engagement zu zeigen, sollte man auch Zusatz fragen beantworten.“

Aber auch bei Flirtportalen ist das gut ausgefüllte Profil das „A und O“, denn Standardaussagen sind nichtssagend. Beim Ausfüllen der Fragebögen und der Steckbriefe sollte man sich Mühe geben – das erhöht die Erfolgschancen selbstverständlich.

Ein paar Kilo weniger, ein paar Zentimeter größer, ein bisschen reicher – auch von Fake Angaben sollte man bei Flirtbörsen Abstand nehmen. Spätestens beim ersten Treffen fällt so etwas auf, dann ist die Enttäuschung groß. Erlaubt ist es, seine besten Seiten in den Vordergrund zu stellen und die kleinen Schwächen auf Anhieb nicht zu erwähnen.

Die Schokoladenseite zeigen sollte auch das Bild im Profil. Man sollte Wert legen auf ein gutes Foto. Denn das vermittelt auch im Internet meistens den ersten Eindruck. Deswegen gilt: kein unscharfes Bild von der letzten Party. Auch auf das Pseudonym kommt es an. „Ulricke85“ wirkt langweilig, „Knuddelmaus200“ ist auch nicht kreativ. Hier ist Kreativität gefragt.

Nach der Pflicht des Ausfüllens von Profil und Steckbrief folgt die Form der Ansprache. Unabhängig davon, ob beim Flirtportal oder bei der Partnervermittlung, ist das erste Gebot, aktiv zu werden. Man muss – wie im richtigen Leben – selbst aktiv werden und andere Nutzer ansprechen. Wer nur darauf wartet, dass er angeschrieben wird, hat keine Erfolgschancen“.

Mitgliederprofil

Unzählige Portale

Online-Dating-Portale finden sich unzählige im Netz. Sei es für die Vermittlung des Partners fürs Leben, für eine nette Affäre zwischendurch oder für einen Seitensprung, die Branche hat inzwischen alles zu bieten. Alleinerziehende, Behinderte, übergewichtige Menschen, Fetischisten, Veganer, Pferde- und Hundefreunde oder sogar Asexuelle können im Internet auf die Suche nach dem perfekten Match gehen. Im gleichen Maß, wie die verschiedenen Leben- und Liebesformen sich entwickeln, setzen sich die Erfindung der Dating-Agenturen am Markt fort.

Online-Partnerbörse ist nicht gleich Online-Partnerbörse

Neben den Marktführern wie Lovescout24, Parship oder Neu.de kann inzwischen jeder im Internet genau den Anbieter finden, der zu seinen individuellen Lebensansichten und Bedürfnissen passt. Egal ob „Singles mit Niveau“, Alleinerziehende und Singles mit Familienwunsch, 40- oder 50-plus-Singles, Tierliebhaber, schwul oder lesbisch, ob mit ernsthaften Absichten oder für den geplanten Seitensprung: Online-Partnerbörse ist nicht gleich Online-Partnerbörse. 

Man unterscheidet heutzutage zwischen vier grundsätzlichen Arten von Plattformen: 
Singlebörsen, Casual-Dating, Partnervermittlungen und Nischen-Dating.

Angebot und Nachfrage

Was die Digitalisierung gerade zur Verfügung stellt, wird durch den großen Trend zur Individualisierung angetrieben. Die neue Vielfalt möglicher Sexbeziehungen, neue Freiheiten und immer höher werdende Ansprüche. Die Individualisierung lässt die Partnersuche komplizierter werden und

machen die Suche nach dem richtigen Partner zu einer schwierigen Aufgabe. Dazu kommt, dass in der globalen Gesellschaft zwar die Anzahl der möglichen Partner eigentlich steigen würde, aber in einer älter werdenden Gesellschaft, Zeit und Gelegenheit zum Flirten weniger wird.

Das Oxford Internet Institute hat 2012 in einer globalen Umfrage ermittelt, dass gerade Männer und Frauen im mittleren Alter (40–69) am meisten Online-Dating-Plattformen nutzen – 36% gaben an, dabei erfolgreich ihren aktuellen Partner gefunden zu haben.

Persönlichkeitstests

Mithilfe von genauen Persönlichkeitstests und einigen Voreinstellungen versprechen Parship, Elitepartner & Co. den perfekten Partner. Offenbar mit Erfolg, denn die Branche ist am boomen. Aktuell sind rund 40% der Singles in Europa auch im Internet auf Partnersuche, mehr als 7 Millionen deutsche Singles verbringen pro Monat auf Dating-Portalen viel Zeit, weitere 3 Millionen sind gezielt auf der Suche nach Kontakten für Sex. 2010 gaben bereits 16% der Paare in Deutschland an, sich im Internet kennengelernt zu haben. Früher war das nur etwas für Verzweifelte und noch verpönt. Doch inzwischen trifft dies auf eine breite Akzeptanz. 70% der Deutschen würden heute offen zugeben, sich aus dem Internet zu kennen.

Parship ist neben Elitepartner die etablierteste Plattform.
Die Online-Partneragentur wirbt mit dem Motto: „Wir verlieren täglich Kunden. Und das gerne und immer nur paarweise. “Matching-Algorithmen“ suchen nach hohen Übereinstimmungen in Wünschen und Interessen der Suchenden. Bei dem Marktführer Parship (55 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010) muss hierfür zur Anmeldung ein Fragebogen ausgefüllt werden. Dieser besteht aus 74 Fragen mit mehr als 400 Antworten, die auf 32 Persönlichkeitsmerkmale abzielen und nach 136 Regeln mit denen eines anderen verglichen werden. Die Parship-Kunden sind meistens 30 bis 55 Jahre alt, mit einer gehobenen Bildung und gutem Einkommen – darunter viele nach einer Scheidung oder Trennung.

Besucht man die Parship-Website, findet man Artikel zum „Flirten“ und bekommt auch eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Zusammenziehens, und viele weitere Artikel.

Die meisten Online-Dating-Nutzer sind Stammkunden.“

Zeit scheint ein wichtiger Faktor bei den Online-Dating-Singles zu sein. Es konnte nachgewiesen werden, dass Online-Singles schneller eine Ehe eingehen. Konventionelle Paare heiraten im Schnitt nach drei, Online Nutzer bereits nach eineinhalb Jahren.

Erotik und Sex

Erotische Interessen und Seitensprünge können auf diversen Seiten im Internet gefunden werden. Wie bei Parship wird Wert daraufgelegt, zu betonen, dass den Kunden nur „niveauvolle Partner“ für die erotischen Abenteuer erwarten. 

Der Branchenumsatz in Deutschland wird geschätzt auf 203 Millionen Euro – mit Großbritannien (211 Mio. Euro) und Frankreich (122 Mio. Euro) bildet Deutschland die drei umsatzstärksten Online-Dating- Märkte in Europa. Damit hat sich der Umsatz seit den Anfängen der Partnerbörsen im Jahr 2003 verachtfacht. Ein Grund dafür ist sicher, dass die meisten Online-Dating-Nutzer „return customers“ sind.

Besonders die Frauenwelt öffnet sich den romantischen Abenteuern im Netz, und so melden zahlreiche Dating-Portale eine schnell steigende Frauenquote. Bei „Lovepoint“ und „C-Date“ machen die weiblichen Mitglieder bereits 50 Prozent aus. Die Zahl der Neuanmeldungen weiblicher User bis Ende Juli 2021 war auf diesem Portal dreimal so hoch wie im Vorjahr.

Für Aufregung sorgte die Sex-App „Bang with friends“ heute unter dem Namen Downapp. Das Prinzip ist einfach: Mit der App kann der Facebook-User aus seiner Freundesliste Kontakte auswählen, mit denen er sich einen One-Night-Stand vorstellen kann. Wenn der Wunsch-Sex-Kontakt auch angemeldet ist und ebenfalls Interesse bekundet, erhalten beide eine E-Mail mit dem Hinweis: „Hey there, sexy! You‘ve got a bangin‘ match!“ Weiterführende Services wie die iPhone- App „Bang on the go“ sind schon in Entwicklung. Während sich Facebook über die verletzten Jugendschutz-Richtlinien beschwert, bedient sich das Business-Portal LinkedIn des gleichen Prinzips und macht mit. Mit der App „Bang with Professionals“ wird die Idee weitergeführt.

Betrüger im Online Dating

Online- und Sex-Dating ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Jedes gut laufende Geschäft bringt auch Betrüger auf den Plan. Immer mehr Flirtabzocker locken mit Online-Profilen junger Frauen meist ältere Männer an, die ihr Singeldasein satthaben. Online-Anfragen von schönen Russinnen lassen vor allem deutsche Männerherzen höherschlagen – und ihre Sinne trüben. Denn hinter Namen wie Svetlana, Anastasia und Anna verbergen sich immer häufiger junge Männer, die verführerische und liebe Nachrichten schreiben und dann unerwartet in große Geldnot geraten.

Ein solches Netzwerk hat sich in einem kleinen Dorf in Russland etabliert, dessen Namen plötzlich auf diversen Online-Plattformen aufgetaucht ist. Reporter des ZDF-Magazins „Frontal 21“ deckten auf, dass es sich hierbei um organisierte Banden handelt, die junge Männer damit beauftragen, Fake-Profile junger Mädchen zu erstellen. Ein Opfer des Schwindels überwies 13.000 Euro an seine Dame – zu groß war der Wunsch nach der echten Liebe.

Macht Online-Dating nun wählerisch oder untreu?

Die Antwort fällt bei jedem Einzelnen natürlich unterschiedlich aus, doch gibt es klare Tendenzen. Die Multi-Optionsgesellschaft erfasst zukünftig in wachsendem Maße auch das Liebes-, Sex- und Beziehungsleben. Für viele ist nichts schlimmer, als Kenntnis von den unbegrenzten sexuellen Freiheiten und Möglichkeiten zu haben, gleichzeitig aber das Gefühl zu haben, irgendeine sexuelle Erfahrung zu verpassen oder ein erotisches Abenteuer ausgelassen zu haben. Dieses Dilemma wird in Zukunft immer mehr Menschen betreffen– egal ob in einer Beziehung, verheiratet oder nicht – und das erhöht zugleich die Marktchancen professioneller Produkt- und Serviceangebote im Online Geschäft.

Jeder Trend löst aber auch einen Gegentrend aus.

Auch der beste Matching-Algorithmus kann nicht wissen, dass die Zukunft den Plattformen gehört, und die Menschen wieder auf traditionelle Weise zusammenbringen, indem sie zum Beispiel Single-Partys organisieren. Denn offline lässt sich der potenzielle Dating-Partner viel schneller finden. Online werden hingegen oft Stunden in Nachrichten investiert, um dann beim eigentlichen Treffen innerhalb von Sekunden festzustellen, dass man sein Gegenüber nicht mal riechen kann.

Marius Heischner

Marius Heischner

Testredakteur